© Peter Dürer, 2014
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Peter Dürer – im Portrait Das Interview führte Anne Drerup, freie Autorin und Rezensentin 2014, beim Liedertreffen in Landshut, gab es die erste persönliche Begegnung mit dem österreichischen Liedermacher Peter Dürer. Er beeindruckte mich sofort mit seinen Konzertauftritten und machte uns Lieder- freunden im Nachhinein mit seinen Videoaufnahmen eine große Freude. Inzwischen sind  neben der Umsetzung von Gemeinschaftsprojekten und zahlreichen Auftritten zwei Soloalben entstanden: „Wieder im Leben“ (2014) und „Wiener Melange“ (2016). Höchste Zeit, für eine Musik- und Kleinkunstjournalistin wie mich, die Gelegenheit für ein Interview zu ergreifen, um das doch sehr facettenreiche Leben des Liedermachers nachzuzeichnen! Anne Drerup (AD): Nun habe ich also die Ehre, einen befreundeten Liedermacher über sein Leben zu befragen – um es dann auch gleich in meinem imitierten Wienerisch zu sagen: Erzähl do mol a bisserl wos üba di! Peter Dürer (PD): Geboren wurde ich am 26. Juni 1961 in Wien. 1961 war, so glaube ich, der geburtenreichste Jahrgang in der österreichischen Geschichte – wos bringt ma des jetzt?! AD: Eine glückliche Kindheit mit vielen Spielkameraden? PD: Das kommt gut aus! Aufgewachsen bin ich in einer typischen Arbeiterfamilie in Wien-Stadlau (Stadl in der Au). Mein Vater war Fleischhauer, meine Mutter zunächst Hausfrau. Ich habe einen drei Jahre älteren Bruder, der an der Entdeckung meiner Musikleidenschaft nicht ganz unschuldig ist, doch dazu später... Als ich noch keine zehn Jahre auf dem Buckel hatte, ging meine Mutter wieder arbeiten, was mich sehr freute, weil ich dann nach der Schule un- beaufsichtigt war und meine Lausbubenkarriere starten konnte... Die Donau-Auen in meiner Gegend haben mich nie ganz losgelassen. „Durt bin i z'Haus, durt g'hör i hin, in die Lobau...“ AD: Gleich schon die Anspielung auf deine Heimathymne, die du mit deiner Band auf der CD „Lobau“ verewigt hast! Spielte die Musik und das Schreiben von Liedern auch bereits so früh eine große Rolle wie deine Verbundenheit zu den Donau-Auen? PD: Nein, noch längst nicht. Ich meine, ich schrieb zwar schon in jungen Jahren Geschichten und Gedichte, nur so für mich, aber Lieder...? Das hätte wahrscheinlich mehr Geduld und Sitzfleisch erfordert! Ich ließ keine Möglichkeit aus, um irgendetwas auszuhecken und dann in die Tat umzusetzen – war natürlich nichts Gescheites, aber darüber hänge ich lieber den Mantel des Schweigens! Meine Familie würde sagen, i übertreib da ein bisserl, denn grundsätzlich war ich ein sehr braves Kind. Zunächst mal gab es einen ganz anderen Schwerpunkt in meinem Leben: 1972, mit 11 Jahren, begann meine sport- liche Laufbahn. Ich trat dem örtlichen Leichtathletikverein bei, nur so konnte man meinen unbändigen Bewegungs- drang so halbwegs in den Griff kriegen. Wegen zwei meiner Eigenheiten legte man meiner Mutter damals nahe, mit mir zum Psychologen zu gehen: Erstens, weil ich keine zwei Minuten sitzen konnte... und zweitens, weil ich beim Zeichnen und Malen immer alles in dunklen und düsteren Farben darstellte. So waren bei mir die Bäume schwarz oder dunkelbraun, die Sonne grau usw. Man attestierte mir jedenfalls einen leichten Hang zum Morbiden, schau schau... AD: So wie es in einigen österreichischen Liedern, z.B. eines Ludwig Hirsch, auch zu erkennen ist? Vielleicht ein erster Fingerzeig...? PD: Tja, so spielt das Leben (lacht): Jahre später, mit 19, wollte man mir fast den Führerschein fürs Autofahren verwehren, weil man feststellte, dass ich rot-grün-blind bin. Fast hätte man in meiner Kindheit die Farbenblind- heit also zur Psychose diagnostiziert... ich wundere mich echt, dass niemand früher auf die Lösung kam. Den Führerschein hab ich natürlich trotzdem gemacht und bekommen. AD: Na, ob Straßenschilder nun morbide Farben zu haben scheinen oder nicht, Hauptsache, man kann sie erkennen! Aber sag, wie kamst du nun zur Musik? Wurde das ein Berufswunsch von dir, oder hattest du erst mal eine Sportler- karriere vor Augen? PD: Oh, weder noch! 1975, zum Ende meiner Grundschulzeit (die ging natürlich länger als vier Jahre, war also eine schulische Grundausbildung, aber das ist ja überall verschieden, auch heute noch!), wollte ich zum Entsetzen meines Vaters nicht gleich eine Lehre ergreifen, sondern eine Karriere als Techniker mit Matura anstreben. Mein Ansinnen war schon fast Verrat für meinen Vater, der in mir einen fähigen Handwerker sah, um die Familientradition fortzusetzen. Nach kürzester Zeit in meiner weiteren Schullaufbahn erlag ich dann aber den Verlockungen der 70er Revolution. Nach mehrwöchiger „Schul-Abgängigkeit“ - ich war mit einem Freund auf Achse – schloss ich das Schuljahr mit „nicht beurteilt“. Trotz heftiger Intervention meines Professors, der sogar bei uns zu Hause auf meinen Vater einwirkte, dass ich doch nach den Ferien die Nachprüfungen ablegen soll, „denn es wäre doch echt schade, wenn der begabte Bua – (damit meinte er mich!) - die Schule wegen so ein paar Blödheiten schmeißt!“, kam es anders. Unter der strengen Miene meines geliebten Vaters, der meinte: „I waß wos für mein Buam am besten ist!“, blitzte er aber so etwas von ab mit seinem Ansinnen. Ich wurde also von der Schule genommen und trat zu meinem Leidwesen ohne Ferien eine Lehre als „Formen- bauer“ an, die ich 1979 mit der Gesellenprüfung erfolgreich abschloss. So war die Familienehre gerettet, mein Vater war erst mal stolz auf mich, und ich arbeitete die ersten Jahre im nun erlernten Beruf. AD: Interessante Wendungen, aber das hat nun wirklich gar nichts mit Musik zu tun. Wie kamst du nun also dazu? Schließlich bist du heute Liedermacher!  Und was hat dein Bruder damit zu tun, du machtest anfangs solche Andeutungen...? PD: Während meiner Lehrzeit, so mit 16, sparte ich etwas Geld, um meinem Bruder, er war Elvis-Fan, zu Weihnachten eine Gitarre zu schenken. Das Ding kostete damals für meine Verhältnisse mit 600 Schilling ein Vermögen! Als dann der ersehnte Heiligabend 1977 kam, gab es bei der Bescherung eine große Überraschung: Ich bekam von meinem Bruder exakt das gleiche Gitarren-Modell geschenkt! AD: Das gibt’s doch nicht! PD: Eben doch! Es war an diesem Abend allerdings das erste und einzige Mal, dass ich mit meinem Bruder gemeinsam Gitarre geklimpert habe, denn bei ihm verstaubte das Holz- ding mit Nylonsaiten bald in einer Ecke, bei mir entstand so etwas wie eine neue Liebe und Leidenschaft. Diese wuchs, als ich gut drei Jahre später, im April 1981, meine Frau Sabine kennenlernte. Es war wie Weihnacht und Silvester auf einmal! Sabine war damals mein einziger Fan, wenn ich auf der Gitarre spielte. Sie animierte mich auch, dass ich mir eine Westerngitarre um damals einen Batzen Geld, 7500 Schilling, zulegte. Ich übte wie ein Besessener täglich mindestens zwei bis drei Stunden. Ich spielte nur Instrumentals, zog mir das Fingerpicking rein, weigerte mich aber noch, zu singen. AD: Wow, Respekt vor deiner Probendisziplin und überhaupt, sich das Gitarrespielen autodidaktisch anzueignen! Hast du dich dann mit anderen Musikern und Sängern zusammengeschlossen? PD: Dazu kam es erst viel später. 1983 erblickte unser Sohn Manuel das Licht der Welt. Von da an waren alle sportlichen Ambitionen und mein Gitarrenspiel mal ad acta gelegt, jetzt widmete ich mich zu 100 % meinem Job, um mit vielen Überstunden unsere Existenz aufzubauen. Doch zwei Jahre später fragte mich ein Freund aus der Leichtathletik, ob ich ihn im Verein unterstützen könnte. Da der Sportplatz nicht weit weg war, übernahm ich im Sommer das Training einer Jugendgruppe – ehrenamtlich. Hatte ich doch selbst das Riesenglück gehabt, eine tolle Jugend in der Leichtathletik zu erleben. Da gab es Trainer und Funktionäre, die ebenfalls sich und ihre Zeit ehrenamtlich zur Verfügung gestellt hatten. Für die großartige Zeit, die ich als Jugendlicher dort erleben durfte, wollte ich, mittlerweile selbst Mitte 20, der Leichtathletik gerne etwas „zurück geben“. Meine Gitarre nahm ich während der Jahre immer wieder zur Hand, um meiner Sabine darauf etwas, mal Klassisches, mal Folkiges, zu klimpern. AD: Aber zum Singen konntest du dich noch nicht durchringen? PD: Noch nicht, aber in anderer Hinsicht zum „Ansagen machen“: 1989 – mittlerweile stattliche 28 Jahre alt, wollte ich unbedingt noch irgendetwas für meine „Hirnentwicklung“ anreißen. Ich überlegte, ob ich a) meinen Ingenieur nachholen oder b) die staatliche Trainerausbildung zum Leichtathletik-Trainer absolvieren sollte... Und wieder war es meine Sabine, die meinte: „Mach den Trainer in der Leichtathletik, du würdest es später sicher bereuen, wenn du nicht...“ Also traf ich diese Entscheidung und absolvierte die Ausbildung bis 1993. Ich scharte eine Trainingsgruppe von Leichtathletik-Sprintern um mich und wurde dann 1995 zum Nationaltrainer des österreichischen Leichtathletik- Verbandes bestellt. Das sollte aber nicht alles gewesen sein. Da 1996 „Höheres“ als die nebenberufliche Tätigkeit als Leichtathletik- Trainer anstanden, wie die Olympischen Spiele in Atlanta, sowie in deren Folge Europa- und Weltmeisterschaften, wurde ich unweigerlich vor eine neue Entscheidungsfrage gestellt, nämlich mich ganz der Leichtathletik zu widmen. So fragte ich meine Sabine: „Soll ich wirklich nach 15 Jahren in meiner Firma, wo ich mir schon ein sehr schönes Standing aufgebaut habe, so einfach kündigen?“ Ihre schlichte Antwort: „Du musst es tun, du würdest es sonst später bereuen, wenn du nicht...“ Und verdammt, ich hab es getan, was für eine groß- artige Frau! Bis 2003 nahm die Leichtathletik einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben ein. In dieser Zeit tingelte ich mit meinen Athleten pro Jahr etwa acht Monate durch alle Kontinente, weit weg von zu Hause – vielen Dank, liebe Sabine, dass ich durfte und du zu Hause alles geschupft hast! Es folgten einige Europa- und Weltmeisterschaften, dann als weiterer Höhepunkt Olympia 2000 in Sidney... Erfolge, auf die ich sehr stolz bin, die wichtiger Bestandteil meines bisherigen Lebens sind. AD: Bloß mit Musik, sieht man mal von den Nationalhymnen ab, die dir sicher sehr vertraut sind, ließ sich das nicht groß verbinden, oder? PD: Zur Musikleidenschaft kehrte ich 2004 zurück – da war es an der Zeit für mich, meinem Leben einen neuen Sinn zu geben! Ich hängte die Leichtathletik an den Nagel. Ein neuer Beruf war schnell gefunden, wo ich mich zu meiner großen Freude schnell erfolg- reich etablierte. Raus aus der Wohnung und ein Haus gekauft!  Und hurra, endlich Platz, um für die Musik Raum zu schaffen!!! So richtete ich mir für die Musik meinen „Podlahakeller“ ein – und ent- deckte dabei die Freude am Singen! Ich sang damals nur Covers, hauptsächlich in Englisch, Sachen von Donovan, Don McLean, Cat Stevens, Simon & Garfunkel, u.v.a. später Liedermacher wie Reinhard Mey, Ludwig Hirsch u.a. in Deutsch. AD: Letzteren wohl eher in Wienerisch, oder? Jedenfalls erklärt sich dadurch, wie du auf das Liedermacherforum und Liedertreffen gestoßen bist, wo du ja genau richtig bist, wenn es um handgemachte Musik und gehaltvolle Texte geht!   PD: Das Wienerische war mir beim Texten von Anfang an sehr wichtig. Auf das Liedermacher-Forum bin ich gestoßen, weil ich mich mit Gleichgesinnten austauschen wollte, dort habe ich sehr viele tolle Menschen kennengelernt. AD: Wie war denn die erste Reaktion auf deinen Gesang? Bist du gleich vor Publikum aufgetreten oder hast du es eher für dich im Podlahakeller ausprobiert? PD: Eine Initialzündung war mein Kumpel Bernhard, mit ihm hab ich dann später "Auland & friends" gegründet. Bei ihm im Keller sang ich erstmals in ein Mikro, das an einer PA angesteckt war. Was soll's, gleich am nächsten Tag habe ich mir so eine PA-Anlage gekauft und schon ging's rund im Podlahakeller, zuerst mal im stillen Kämmer- lein nur für mich und meine Sabine ... Ab 2006 machte ich dann erste Erfahrungen auf Bühnen. Vor „Auland & friends“ gründete ich 2007  mit Freunden die Band „Feuerwerk“. Wir coverten Songs von den „Gipsy Kings“. Bis 2009 tourten wir durch die Lande. In den Jahren habe ich vieles bezüglich Bandgefüge und Live-Performance gelernt. AD: Und, gibt es da etwas aus deinem Erfahrungsschatz, das du aufstrebenden Musikern gern mit auf den Weg geben würdest? PD:  Hmm, ich weiß jetzt nicht, ob da so ein "Holzg'- schnitzter" wie ich für Ratschläge der Richtige ist ?  Aber wenn schon, dann vielleicht: "offen sein für alles, über den eigenen Tellerrand sehen und sich letztendlich nichts dreinreden lassen." Ich kann mich gut an die Zeit mit der Gipsy-Band "Feuerwerk", später dann "Lagerfeuer", zurück erinnern. Wir spielten Covers von den Gipsys, wie z.B. "Baila me", "Bamboleo" oder auch "Volare".  Irgendwann meinte ich zu den Jungs: "Hey, warum schreiben wir nicht eigene Songs und die spielen wir dann auch im Programm ?"  Sie haben mich ausgelacht und gemeint: "Vergiss es, das ist nicht so einfach, eigene Songs zu schreiben, das kannst du vergessen..." AD: Hast du dann ja aber nicht, also es vergessen oder als zu schwierig abgelehnt – denn bis heute hast du schon eine ganze Reihe eigener Lieder geschrieben... PD: Ja, das begann 2010. Zeitgleich gründete ich die Band „Auland and friends“. Wir spielten in erster Linie Eigenes und ausgesuchte Covers. Ich begann, Lieder zu texten und komponieren, und es entstanden meine ersten selbstproduzierten Alben: „One“ und „Lobau“. Meine ersten Lieder waren „Lass es mi gspiarn“, „Flieg mit mir“ und „Sabrina“. AD: Letzteres ist ja auf deinem aktuellen Soloalbum zu hören – gut, von Textinhalt hätte man es gleich einer frühen Schaffensperiode zuordnen können, aber in der musikalischen Umsetzung unterscheidet es sich nicht von der Qualität der neuen Stücke. Wie kam es zu der Entscheidung? War das ursprüngliche Arrangement anders? Und, wenn man sich so deine Liedtexte be- trachtet: Wie kommt es, dass du Dialekt/ Mundart bevorzugst? PD:  "Sabrina" wollte ich in einem neuen Gewand erklingen lassen. Mit Stefan Schaden fand ich da einen genialen Produzenten, der es verstand, hier einen "neuen Schwung" in das Lied zu bringen. Die "Sabrina" beschreibt eine Situation aus meiner Jugend. Wir lebten damals unsere Statussymbole - wer hat das schnellste Motorrad, wer die tollste "Braut" ?  Und nichts Schlimmeres konnte passieren, als wenn dann auf einmal einer daher kommt und einem die Freundin ausspannt und noch schlimmer, wenn das dann die Kumpel mitkriegen, a echte Blamage vom Feinsten! Mit Stefan Schaden habe ich übrigens vier Lieder auf der "Wiener Melange" CD produziert. Neben der "Sabrina" auch noch den "Taxifohrer Blues", "I hob di so gern" und "Ollas tät i gebn".  Tolle Zusammenarbeit mit ihm! Ja und das Wienerische, unsere urleiwande Sproch, hat soviel Schmäh und Wohlklang, so ich finde ... und es ist mir wichtig, dass diese Sprache nicht vergessen wird! Es ist nicht leicht, in Deutsch zu texten, es klingt oft eckig und hart, schwer zu singen, finde ich! Das Wienerische ist weicher und leichter zu singen, weil es "Einsilbiger" ist als Hochdeutsch. AD: Es hat auf jeden Fall seinen Charme! Manchmal muss ich freilich einen Blick ins Booklet werfen, um den Text ganz zu verstehen bzw. nicht misszuverstehen...! Nun haben wir es ja auch schon angesprochen, es blieb nicht bei den Bandalben, du hast mittlerweile auch schon zwei Soloalben veröffentlicht... PD: Ja, genau. 2011 hätte ich fast das Liebste in meinem Leben verloren... Es folgten zwei schwere Jahre, die viel Kraft kosteten... Und gerade diese schwere Zeit ließ mich unheimlich viel schreiben, mehr als 30 Lieder. Einige fanden schließlich 2014 auf meinem ersten Soloalbum „Wieder im Leben“ ihren Platz. Der Titel war Programm, hatten wir doch eine ziemlich harte Zeit überstanden... Die Lieder sind eine Zeitreise der Gefühle, die oft ein wenig morbide, dann wieder etwas positiver meine Gefühlswelt der Jahre 2010 bis 2014 widerspiegeln. AD: In diesem Fall war das Schreiben von Liedern ja auch direkt heilsam... eine Entdeckung für dich? PD: Im Nachhinein fühlt es sich schon etwas eigenartig an.. da musste ich 49 Jahre alt werden, um Lieder zu schreiben! Aber es war dann wohl an der richtigen Zeit... Während all der Jahre seit 2004 mauserte sich mein Podlahakeller zu einem Musiker-Treffpunkt. Der Keller in meinem Haus ist Ideenschmiede, Probenraum und Tonstudio. Neben meinem Schaffen als Liedschreiber genieße ich es auch, in Bandformationen mit Freunden die Musik meiner Helden aus vergangenen Tagen, den 60er/70ern, sofern noch Zeit dafür bleibt, zu spielen und zu singen. Das Tonstudio hat sich schön entwickelt. Step bei step eignete ich mir das notwendige Wissen autodidaktisch an, so wurde es möglich, meine Alben selbst zu produzieren. AD: Das hast du dir auch selbst beigebracht ?!? PD: Mein autodidaktisches Schaffen erstreckt sich über alle Bereiche des Musikmachens. So hatte ich bis heute noch nie Gesangs- oder Instrumentalunterricht, auch nicht auf der Gitarre. Ich habe mich dafür interessiert und mir alles selbst angeeignet. Folgende Instrumente spiele ich im Studio selbst ein: Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Bass, Ukulele, Mandoline, Mundharmonika, Piano, Keyboard, Schlagzeug, Percussion und Bodhran. AD: Ein Multi-Instrumentalist – ich bin beeindruckt! PD: Live auf der Bühne konzentriere ich mich aber auf die Akustik Gitarre und die Mundharmonika. Schließlich kommt dann auch noch der Gesang dazu und das Gefühl, direkt vor seinem Publikum zu stehen! Ja, und nun, 2015/2016, also rund zwölf Monate lang schrieb, arrangierte und produzierte ich mein zweites Soloalbum, „Wiener Melange“, auf dem sich 10 Lieder finden. Die Zeit brauchte ich, um die Lieder so klingen zu lassen, wie ich wollte, dass sie klingen. AD: Und, bist du mit dem Ergebnis zufrieden? PD: Das Album ist einerseits gesellschaftskritischer als das erste, ein wenig politischer, ohne wirklich politisch sein zu wollen – Lieder wie “Der Wolf in mir”, da unterstützt mich der großartige Dirk Teufer auf seinem Klavier, oder “In Scharen ziehn sie übers Land”. Hier konnte ich den “Teufelsgeiger” Wolfgang Schanik-Vysata gewinnen.Wolfgang spielt hier neben der Geige auch die Mandoline, so auch bei “Der Traumfänger” und “Frei wie der Wind”.   Andererseits ist es aber auch fröhlicher, moderner. Ich wollte hier bewusst mehrere Musikstile, die mich in den letzten Jahren beschäftigten, strapazieren... Nun bin ich gespannt, wie es beim Publikum ankommt, ob bei Live-Auftritten oder bei den Hörern der CD... AD: Also, mir persönlich gefällt das Album sehr! Zum Abschluss noch eine Frage: Wie sehen deine musikalischen Zukunftspläne aus? PD: Mal schauen, irgendwie... weiß auch nicht, ob noch Alben folgen werden? Aber... es sind noch längst nicht alle Geschichten, die mir noch am Herzen liegen, in Liedern erzählt... Da würde doch einiges dafür sprechen! Ich mache mir aber keinen Druck     –    Wer rennen will, soll rennen, ich mache es mir jetzt bequemer! AD: Vielen Dank für das interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg! Anne Drerup, freie Autorin und Rezensentin beim Online-Kleinkunstmagazin „Ein Achtel Lorbeerblatt“, Copyright Juli 2016
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Fotos: Andreas Müller

Peter Dürer – im Portrait Das Interview führte Anne Drerup, freie Autorin und Rezensentin 2014, beim Liedertreffen in Landshut, gab es die erste persönliche Begegnung mit dem österreichischen Liedermacher Peter Dürer. Er beeindruckte mich sofort mit seinen Konzertauftritten und machte uns Lieder- freunden im Nachhinein mit seinen Videoaufnahmen eine große Freude. Inzwischen sind  neben der Umsetzung von Gemeinschaftsprojekten und zahlreichen Auftritten zwei Soloalben entstanden: „Wieder im Leben“ (2014) und „Wiener Melange“ (2016). Höchste Zeit, für eine Musik- und Kleinkunstjournalistin wie mich, die Gelegenheit für ein Interview zu ergreifen, um das doch sehr facettenreiche Leben des Liedermachers nachzuzeichnen! Anne Drerup (AD): Nun habe ich also die Ehre, einen befreundeten Liedermacher über sein Leben zu befragen – um es dann auch gleich in meinem imitierten Wienerisch zu sagen: Erzähl do mol a bisserl wos üba di! Peter Dürer (PD): Geboren wurde ich am 26. Juni 1961 in Wien. 1961 war, so glaube ich, der geburtenreichste Jahrgang in der österreichischen Geschichte – wos bringt ma des jetzt?! AD: Eine glückliche Kindheit mit vielen Spielkameraden? PD: Das kommt gut aus! Aufgewachsen bin ich in einer typischen Arbeiterfamilie in Wien-Stadlau (Stadl in der Au). Mein Vater war Fleischhauer, meine Mutter zunächst Hausfrau. Ich habe einen drei Jahre älteren Bruder, der an der Entdeckung meiner Musikleidenschaft nicht ganz unschuldig ist, doch dazu später... Als ich noch keine zehn Jahre auf dem Buckel hatte, ging meine Mutter wieder arbeiten, was mich sehr freute, weil ich dann nach der Schule unbeaufsichtigt war und meine Lausbubenkarriere starten konnte... Die Donau-Auen in meiner Gegend haben mich nie ganz losgelassen. „Durt bin i z'Haus, durt g'hör i hin, in die Lobau...“ AD: Gleich schon die Anspielung auf deine Heimathymne, die du mit deiner Band auf der CD „Lobau“ verewigt hast! Spielte die Musik und das Schreiben von Liedern auch bereits so früh eine große Rolle wie deine Verbundenheit zu den Donau-Auen? PD: Nein, noch längst nicht. Ich meine, ich schrieb zwar schon in jungen Jahren Geschichten und Gedichte, nur so für mich, aber Lieder...? Das hätte wahrscheinlich mehr Geduld und Sitzfleisch erfordert! Ich ließ keine Möglichkeit aus, um irgendetwas auszuhecken und dann in die Tat umzusetzen – war natürlich nichts Gescheites, aber darüber hänge ich lieber den Mantel des Schweigens! Meine Familie würde sagen, i übertreib da ein bisserl, denn grundsätzlich war ich ein sehr braves Kind. Zunächst mal gab es einen ganz anderen Schwerpunkt in meinem Leben: 1972, mit 11 Jahren, begann meine sportliche Laufbahn. Ich trat dem örtlichen Leichtathletikverein bei, nur so konnte man meinen unbändigen Bewegungsdrang so halbwegs in den Griff kriegen. Wegen zwei meiner Eigenheiten legte man meiner Mutter damals nahe, mit mir zum Psychologen zu gehen: Erstens, weil ich keine zwei Minuten sitzen konnte... und zweitens, weil ich beim Zeichnen und Malen immer alles in dunklen und düsteren Farben darstellte. So waren bei mir die Bäume schwarz oder dunkelbraun, die Sonne grau usw. Man attestierte mir jedenfalls einen leichten Hang zum Morbiden, schau schau... AD: So wie es in einigen österreichischen Liedern, z.B. eines Ludwig Hirsch, auch zu erkennen ist? Vielleicht ein erster Fingerzeig...? PD: Tja, so spielt das Leben (lacht): Jahre später, mit 19, wollte man mir fast den Führerschein fürs Autofahren verwehren, weil man feststellte, dass ich rot-grün-blind bin. Fast hätte man in meiner Kindheit die Farbenblind- heit also zur Psychose diagnostiziert... ich wundere mich echt, dass niemand früher auf die Lösung kam. Den Führerschein hab ich natürlich trotzdem gemacht und bekommen. AD: Na, ob Straßenschilder nun morbide Farben zu haben scheinen oder nicht, Hauptsache, man kann sie erkennen! Aber sag, wie kamst du nun zur Musik? Wurde das ein Berufswunsch von dir, oder hattest du erst mal eine Sportler- karriere vor Augen? PD: Oh, weder noch! 1975, zum Ende meiner Grundschulzeit (die ging natürlich länger als vier Jahre, war also eine schulische Grundausbildung, aber das ist ja überall verschieden, auch heute noch!), wollte ich zum Entsetzen meines Vaters nicht gleich eine Lehre ergreifen, sondern eine Karriere als Techniker mit Matura anstreben. Mein Ansinnen war schon fast Verrat für meinen Vater, der in mir einen fähigen Handwerker sah, um die Familien-tradition fortzusetzen. Nach kürzester Zeit in meiner weiteren Schullaufbahn erlag ich dann aber den Verlockungen der 70er Revolution. Nach mehrwöchiger „Schul-Abgängigkeit“ - ich war mit einem Freund auf Achse – schloss ich das Schuljahr mit „nicht beurteilt“. Trotz heftiger Intervention meines Professors, der sogar bei uns zu Hause auf meinen Vater einwirkte, dass ich doch nach den Ferien die Nachprüfungen ablegen soll, „denn es wäre doch echt schade, wenn der begabte Bua – (damit meinte er mich!) - die Schule wegen so ein paar Blödheiten schmeißt!“, kam es anders. Unter der strengen Miene meines geliebten Vaters, der meinte: „I waß wos für mein Buam am besten ist!“, blitzte er aber so etwas von ab mit seinem Ansinnen. Ich wurde also von der Schule genommen und trat zu meinem Leidwesen ohne Ferien eine Lehre als „Formen- bauer“ an, die ich 1979 mit der Gesellen-prüfung erfolgreich abschloss. So war die Familienehre gerettet, mein Vater war erst mal stolz auf mich, und ich arbeitete die ersten Jahre im nun erlernten Beruf. AD: Interessante Wendungen, aber das hat nun wirklich gar nichts mit Musik zu tun. Wie kamst du nun also dazu? Schließlich bist du heute Liedermacher!  Und was hat dein Bruder damit zu tun, du machtest anfangs solche Andeutungen...? PD: Während meiner Lehrzeit, so mit 16, sparte ich etwas Geld, um meinem Bruder, er war Elvis-Fan, zu Weihnachten eine Gitarre zu schenken. Das Ding kostete damals für meine Verhältnisse mit 600 Schilling ein Vermögen! Als dann der ersehnte Heiligabend 1977 kam, gab es bei der Bescherung eine große Überraschung: Ich bekam von meinem Bruder exakt das gleiche Gitarren-Modell geschenkt! AD: Das gibt’s doch nicht! PD: Eben doch! Es war an diesem Abend allerdings das erste und einzige Mal, dass ich mit meinem Bruder gemeinsam Gitarre geklimpert habe, denn bei ihm verstaubte das Holzding mit Nylonsaiten bald in einer Ecke, bei mir entstand so etwas wie eine neue Liebe und Leidenschaft. Diese wuchs, als ich gut drei Jahre später, im April 1981, meine Frau Sabine kennenlernte. Es war wie Weihnacht und Silvester auf einmal! Sabine war damals mein einziger Fan, wenn ich auf der Gitarre spielte. Sie animierte mich auch, dass ich mir eine Western-gitarre um damals einen Batzen Geld, 7500 Schilling, zulegte. Ich übte wie ein Besessener täglich mindestens zwei bis drei Stunden. Ich spielte nur Instrumentals, zog mir das Fingerpicking rein, weigerte mich aber noch, zu singen. AD: Wow, Respekt vor deiner Probendisziplin und überhaupt, sich das Gitarrespielen autodidaktisch anzueignen! Hast du dich dann mit anderen Musikern und Sängern zusammengeschlossen? PD: Dazu kam es erst viel später. 1983 erblickte unser Sohn Manuel das Licht der Welt. Von da an waren alle sportlichen Ambitionen und mein Gitarrenspiel mal ad acta gelegt, jetzt widmete ich mich zu 100 % meinem Job, um mit vielen Überstunden unsere Existenz aufzubauen. Doch zwei Jahre später fragte mich ein Freund aus der Leichtathletik, ob ich ihn im Verein unterstützen könnte. Da der Sportplatz nicht weit weg war, übernahm ich im Sommer das Training einer Jugendgruppe – ehrenamtlich. Hatte ich doch selbst das Riesenglück gehabt, eine tolle Jugend in der Leichtathletik zu erleben. Da gab es Trainer und Funktionäre, die ebenfalls sich und ihre Zeit ehrenamtlich zur Verfügung gestellt hatten. Für die großartige Zeit, die ich als Jugendlicher dort erleben durfte, wollte ich, mittlerweile selbst Mitte 20, der Leichtathletik gerne etwas „zurück geben“. Meine Gitarre nahm ich während der Jahre immer wieder zur Hand, um meiner Sabine darauf etwas, mal Klassisches, mal Folkiges, zu klimpern. AD: Aber zum Singen konntest du dich noch nicht durchringen? PD: Noch nicht, aber in anderer Hinsicht zum „Ansagen machen“: 1989 – mittlerweile stattliche 28 Jahre alt, wollte ich unbedingt noch irgendetwas für meine „Hirnentwicklung“ anreißen. Ich überlegte, ob ich a) meinen Ingenieur nachholen oder b) die staatliche Trainerausbildung zum Leichtathletik-Trainer absolvieren sollte... Und wieder war es meine Sabine, die meinte: „Mach den Trainer in der Leichtathletik, du würdest es später sicher bereuen, wenn du nicht...“ Also traf ich diese Entscheidung und absolvierte die Ausbildung bis 1993. Ich scharte eine Trainingsgruppe von Leichtathletik-Sprintern um mich und wurde dann 1995 zum Nationaltrainer des österreichischen Leichtathletik- Verbandes bestellt. Das sollte aber nicht alles gewesen sein. Da 1996 „Höheres“ als die nebenberufliche Tätigkeit als Leichtathletik- Trainer anstanden, wie die Olympischen Spiele in Atlanta, sowie in deren Folge Europa- und Weltmeisterschaften, wurde ich unweigerlich vor eine neue Entscheidungsfrage gestellt, nämlich mich ganz der Leichtathletik zu widmen. So fragte ich meine Sabine: „Soll ich wirklich nach 15 Jahren in meiner Firma, wo ich mir schon ein sehr schönes Standing aufgebaut habe, so einfach kündigen?“ Ihre schlichte Antwort: „Du musst es tun, du würdest es sonst später bereuen, wenn du nicht...“ Und verdammt, ich hab es getan, was für eine großartige Frau! Bis 2003 nahm die Leichtathletik einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben ein. In dieser Zeit tingelte ich mit meinen Athleten pro Jahr etwa acht Monate durch alle Kontinente, weit weg von zu Hause – vielen Dank, liebe Sabine, dass ich durfte und du zu Hause alles geschupft hast! Es folgten einige Europa- und Weltmeisterschaften, dann als weiterer Höhepunkt Olympia 2000 in Sidney... Erfolge, auf die ich sehr stolz bin, die wichtiger Bestandteil meines bisherigen Lebens sind. AD: Bloß mit Musik, sieht man mal von den Nationalhymnen ab, die dir sicher sehr vertraut sind, ließ sich das nicht groß verbinden, oder? PD: Zur Musikleidenschaft kehrte ich 2004 zurück – da war es an der Zeit für mich, meinem Leben einen neuen Sinn zu geben! Ich hängte die Leichtathletik an den Nagel. Ein neuer Beruf war schnell gefunden, wo ich mich zu meiner großen Freude schnell erfolgreich etablierte. Raus aus der Wohnung und ein Haus gekauft!  Und hurra, endlich Platz, um für die Musik Raum zu schaffen!!! So richtete ich mir für die Musik meinen „Podlahakeller“ ein – und entdeckte dabei die Freude am Singen! Ich sang damals nur Covers, hauptsächlich in Englisch, Sachen von Donovan, Don McLean, Cat Stevens, Simon & Garfunkel, u.v.a.später Liedermacher wie Reinhard Mey, Ludwig Hirsch u.a. in Deutsch. AD: Letzteren wohl eher in Wienerisch, oder? Jedenfalls erklärt sich dadurch, wie du auf das Liedermacherforum und Liedertreffen gestoßen bist, wo du ja genau richtig bist, wenn es um handgemachte Musik und gehaltvolle Texte geht!   PD: Das Wienerische war mir beim Texten von Anfang an sehr wichtig. Auf das Liedermacher-Forum bin ich gestoßen, weil ich mich mit Gleichgesinnten austauschen wollte, dort habe ich sehr viele tolle Menschen kennengelernt. AD: Wie war denn die erste Reaktion auf deinen Gesang? Bist du gleich vor Publikum aufgetreten oder hast du es eher für dich im Podlahakeller ausprobiert? PD: Eine Initialzündung war mein Kumpel Bernhard, mit ihm hab ich dann später "Auland & friends" gegründet. Bei ihm im Keller sang ich erstmals in ein Mikro, das an einer PA angesteckt war. Was soll's, gleich am nächsten Tag habe ich mir so eine PA-Anlage gekauft und schon ging's rund im Podlahakeller, zuerst mal im stillen Kämmer- lein nur für mich und meine Sabine ... Ab 2006 machte ich dann erste Erfahrungen auf Bühnen. Vor „Auland & friends“ gründete ich 2007  mit Freunden die Band „Feuerwerk“. Wir coverten Songs von den „Gipsy Kings“. Bis 2009 tourten wir durch die Lande. In den Jahren habe ich vieles bezüglich Bandgefüge und Live-Performance gelernt. AD: Und, gibt es da etwas aus deinem Erfahrungsschatz, das du aufstrebenden Musikern gern mit auf den Weg geben würdest? PD:  Hmm, ich weiß jetzt nicht, ob da so ein "Holzg'schnitzter" wie ich für Ratschläge der Richtige ist ?  Aber wenn schon, dann vielleicht: "offen sein für alles, über den eigenen Tellerrand sehen und sich letztendlich nichts dreinreden lassen." Ich kann mich gut an die Zeit mit der Gipsy-Band "Feuerwerk", später dann "Lagerfeuer", zurück erinnern. Wir spielten Covers von den Gipsys, wie z.B. "Baila me", "Bamboleo" oder auch "Volare".  Irgendwann meinte ich zu den Jungs: "Hey, warum schreiben wir nicht eigene Songs und die spielen wir dann auch im Programm ?"  Sie haben mich ausgelacht und gemeint: "Vergiss es, das ist nicht so einfach, eigene Songs zu schreiben, das kannst du vergessen..." AD: Hast du dann ja aber nicht, also es vergessen oder als zu schwierig abgelehnt – denn bis heute hast du schon eine ganze Reihe eigener Lieder geschrieben... PD: Ja, das begann 2010. Zeitgleich gründete ich die Band „Auland and friends“. Wir spielten in erster Linie Eigenes und aus- gesuchte Covers. Ich begann, Lieder zu texten und komponieren, und es entstanden meine ersten selbstproduzierten Alben: „One“ und „Lobau“. Meine ersten Lieder waren „Lass es mi gspiarn“, „Flieg mit mir“ und „Sabrina“. AD: Letzteres ist ja auf deinem aktuellen Soloalbum zu hören – gut, von Textinhalt hätte man es gleich einer frühen Schaffens- periode zuordnen können, aber in der musikalischen Umsetzung unterscheidet es sich nicht von der Qualität der neuen Stücke. Wie kam es zu der Entscheidung? War das ursprüngliche Arrangement anders? Und, wenn man sich so deine Liedtexte be- trachtet: Wie kommt es, dass du Dialekt/ Mundart bevorzugst? PD:  "Sabrina" wollte ich in einem neuen Gewand erklingen lassen. Mit Stefan Schaden fand ich da einen genialen Produzenten, der es verstand, hier einen "neuen Schwung" in das Lied zu bringen. Die "Sabrina" beschreibt eine Situation aus meiner Jugend. Wir lebten damals unsere Statussymbole - wer hat das schnellste Motorrad, wer die tollste "Braut" ?  Und nichts Schlimmeres konnte passieren, als wenn dann auf einmal einer daher kommt und einem die Freundin ausspannt und noch schlimmer, wenn das dann die Kumpel mitkriegen, a echte Blamage vom Feinsten! Mit Stefan Schaden habe ich übrigens vier Lieder auf der "Wiener Melange" CD produziert. Neben der "Sabrina" auch noch den "Taxifohrer Blues", "I hob di so gern" und "Ollas tät i gebn".  Tolle Zusammenarbeit mit ihm! Ja und das Wienerische, unsere urleiwande Sproch, hat soviel Schmäh und Wohlklang, so ich finde ... und es ist mir wichtig, dass diese Sprache nicht vergessen wird! Es ist nicht leicht, in Deutsch zu texten, es klingt oft eckig und hart, schwer zu singen, finde ich! Das Wienerische ist weicher und leichter zu singen, weil es "Einsilbiger" ist als Hochdeutsch. AD: Es hat auf jeden Fall seinen Charme! Manchmal muss ich freilich einen Blick ins Booklet werfen, um den Text ganz zu verstehen bzw. nicht misszuverstehen...! Nun haben wir es ja auch schon angesprochen, es blieb nicht bei den Bandalben, du hast mittlerweile auch schon zwei Soloalben veröffentlicht... PD: Ja, genau. 2011 hätte ich fast das Liebste in meinem Leben verloren... Es folgten zwei schwere Jahre, die viel Kraft kosteten... Und gerade diese schwere Zeit ließ mich unheimlich viel schreiben, mehr als 30 Lieder. Einige fanden schließlich 2014 auf meinem ersten Soloalbum „Wieder im Leben“ ihren Platz. Der Titel war Programm, hatten wir doch eine ziemlich harte Zeit überstanden... Die Lieder sind eine Zeitreise der Gefühle, die oft ein wenig morbide, dann wieder etwas positiver meine Gefühlswelt der Jahre 2010 bis 2014 widerspiegeln. AD: In diesem Fall war das Schreiben von Liedern ja auch direkt heilsam... eine Entdeckung für dich? PD: Im Nachhinein fühlt es sich schon etwas eigenartig an.. da musste ich 49 Jahre alt werden, um Lieder zu schreiben! Aber es war dann wohl an der richtigen Zeit... Während all der Jahre seit 2004 mauserte sich mein Podlahakeller zu einem Musiker-Treffpunkt. Der Keller in meinem Haus ist Ideenschmiede, Probenraum und Tonstudio. Neben meinem Schaffen als Liedschreiber genieße ich es auch, in Bandformationen mit Freunden die Musik meiner Helden aus vergangenen Tagen, den 60er/70ern, sofern noch Zeit dafür bleibt, zu spielen und zu singen. Das Tonstudio hat sich schön entwickelt. Step bei step eignete ich mir das notwendige Wissen autodidaktisch an, so wurde es möglich, meine Alben selbst zu produzieren. AD: Das hast du dir auch selbst beigebracht ?!? PD: Mein autodidaktisches Schaffen erstreckt sich über alle Bereiche des Musikmachens. So hatte ich bis heute noch nie Gesangs- oder Instrumentalunterricht, auch nicht auf der Gitarre. Ich habe mich dafür interessiert und mir alles selbst angeeignet. Folgende Instrumente spiele ich im Studio selbst ein: Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Bass, Ukulele, Mandoline, Mundharmonika, Piano, Keyboard, Schlagzeug, Percussion und Bodhran. AD: Ein Multi-Instrumentalist – ich bin beeindruckt! PD: Live auf der Bühne konzentriere ich mich aber auf die Akustik Gitarre und die Mundharmonika. Schließlich kommt dann auch noch der Gesang dazu und das Gefühl, direkt vor seinem Publikum zu stehen! Ja, und nun, 2015/2016, also rund zwölf Monate lang schrieb, arrangierte und produzierte ich mein zweites Soloalbum, „Wiener Melange“, auf dem sich 10 Lieder finden. Die Zeit brauchte ich, um die Lieder so klingen zu lassen, wie ich wollte, dass sie klingen. AD: Und, bist du mit dem Ergebnis zufrieden? PD: Das Album ist einerseits gesellschaftskritischer als das erste, ein wenig politischer, ohne wirklich politisch sein zu wollen – Lieder wie “Der Wolf in mir”, da unterstützt mich der großartige Dirk Teufer auf seinem Klavier, oder “In Scharen ziehn sie übers Land”. Hier konnte ich den “Teufelsgeiger” Wolfgang Schanik-Vysata gewinnen.Wolfgang spielt hier neben der Geige auch die Mandoline, so auch bei “Der Traumfänger” und “Frei wie der Wind”.   Andererseits ist es aber auch fröhlicher, moderner. Ich wollte hier bewusst mehrere Musikstile, die mich in den letzten Jahren beschäftigten, strapazieren... Nun bin ich gespannt, wie es beim Publikum ankommt, ob bei Live-Auftritten oder bei den Hörern der CD... AD: Also, mir persönlich gefällt das Album sehr! Zum Abschluss noch eine Frage: Wie sehen deine musikalischen Zukunftspläne aus? PD: Mal schauen, irgendwie... weiß auch nicht, ob noch Alben folgen werden? Aber... es sind noch längst nicht alle Geschichten, die mir noch am Herzen liegen, in Liedern erzählt... Da würde doch einiges dafür sprechen! Ich mache mir aber keinen Druck     –    Wer rennen will, soll rennen, ich mache es mir jetzt bequemer! AD: Vielen Dank für das interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg! Anne Drerup, freie Autorin und Rezensentin beim Online-Kleinkunstmagazin „Ein Achtel Lorbeerblatt“, Copyright Juli 2016